Isa Jahnke entwirft in Umeå die Lernräume der Zukunft
Mehr als 2000 Forscherinnen und Forscher arbeiten an der Universität Umeå in den unterschiedlichsten Disziplinen. Viele von ihnen kommen aus dem Ausland nach Schweden, auch aus Deutschland. Isa Jahnke ist eine von ihnen.
Fragt man Isa Jahnke nach ihrem Leben in Umeå, so gerät sie ins Schwärmen: „Die Stadt ist so international und innovativ, die Menschen entspannt und offen für fremde Kulturen. Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen.“ Seit April 2011 ist Jahnke Professorin am Department of Applied Educational Sciences der Universität Umeå. Zuvor war sie unter anderem am Hochschuldidaktischen Zentrum der TU Dortmund (jetzt: und an der Ruhr-Universität Bochum tätig.
Der Wechsel nach Schweden hat sich für Jahnke als Glückgriff erwiesen: Die Arbeits- und Forschungsbedingungen gefallen ihr im Vergleich zu Deutschland besser. „Man kümmert sich hier um den Menschen“, schildert sie ihren Eindruck von der schwedischen Universitätskultur. „Die Trennung von Forschung und Lehre bedeutet weniger Stress für Forschende und Lehrende, es geht dem Menschen besser, und das ist im Endeffekt auch von Vorteil für die Studierenden.“
2011 erhielt Jahnke den Ruf an die Universität Umeå. Als Professorin für ICT, Media and Learning erforscht sie, wie neue Technologien Lernen und Lehren unterstützen können. „Durch die Einbindung neuer Technologien wie Social Media oder Tablet Computer in die Lehre sollen die sowohl Studierende an Universitäten als auch Schülerinnen und Schülern zu aktiven Produzenten von Wissen werden, anstatt es nur passiv zu konsumieren. Dazu muss die Technologie aber auch richtig eingesetzt werden, was möglicherweise neue didaktische Ansätze erfordert“, erklärt Jahnke.
Hier sieht Jahnke ihren Forschungsbereich: „Wir können die Integration von neuen Technologien in Lernumgebungen nicht untersuchen, ohne die damit verbundenen sozialen und didaktischen Veränderungen zu berücksichtigen." Sie führt aus: „Die Informationstechnologie hat sich im letzten Jahrzehnt stark weiterentwickelt, und das hat unsere Art zu lernen und zu kommunizieren massiv beeinflusst. Hat man ein Problem, googelt man es schnell oder postet es bei Facebook oder Twitter, und erhält meist innerhalb von Sekunden eine Antwort. Dieses informelle Lernen hat wiederum Auswirkungen auf das formale, institutionalisierte Lernen in Schulen, Universitäten oder Unternehmen.“
Als interdisziplinäre Wissenschaftlerin verfolgt Jahnke einen sozio-technisch-didaktischen Ansatz. Sie studierte Sozialwissenschaften und begann in ihrer Dissertation, Aspekte aus der Informatik und Erziehungswissenschaft in ihre Forschung zu integrieren. Als eine der wenigen Wissenschaftlerinnen mit dieser Fächerkombination ist sie Expertin für die sozio-technische Gestaltung von Lernumgebungen.
Die Ausschreibung für die Professur in ICT, Media and Learning passte somit perfekt zu Jahnkes Profil. „Ich wusste gar nicht, wo Umeå liegt, und habe die Stadt sofort im Internet gesucht. Ich hatte das Gefühl, als wäre diese Ausschreibung nur für mich verfasst worden. Als wenn die mich gekannt hätten”, erzählt sie lachend. Also kehrte Jahnke ihrer Heimat den Rücken und zog 2000 Kilometer in den Norden – eine Entscheidung, die sie bisher nicht bereut hat.






